Die EZB liefert (KW37)

Der Markt war in der vergangenen Woche von der EZB-Sitzung am Donnerstag dominiert. In den letzten Tagen vor dem Meeting kamen die Erwartungen der Marktteilnehmer etwas zurück, da einige der EZB-Mitglieder (ua Weidmann, Knot, Nowotny) sich vor Beginn der Stillhalteperiode noch gegen einen weiteren Stimulus durch Anleihnkäufe ausgesprochen haben. Dies vor allem mit der Argumentation, dass dieses Instrument nur bei einer Deflationsgefahr einzusetzen sei, und diese derzeit nicht bestehe.

Die Entscheidung im EZB-Gremium fiel dann, vermutlich auch stark von Draghi beeinflusst, doch stärker aus als diese Stimmen zuvor erwarten hätten lassen. Neben einer Senkung der Einlagenfazilität von -0,40% auf -0,50% wurde vor allem auch ein neues Anleihenkaufprogramm im Volumen von EUR 20 Mrd. im Monat beschlossen. Dies noch dazu ohne konkretem Endlaufzeit und auch ohne Mindestkaufrendite. Daneben wurde weiters ein Tiering-System beschlossen um den Strafzins für die Banken der Eurozone etwas abzumildern.

Die Märkte haben auf diese Entscheidungen mit einem Renditeanstieg reagiert, weil einerseits vor allem das doppelt unbegrenzte Ankaufsprogramm für Überraschung sorgte und andererseits die Zweifel an den weiteren Möglichkeiten und der Treffsicherheit der EZB überhand genommen haben.Ein weiteres Thema das den Markt beschäftigten, war die (vorübergehende) Entspannung in der Tonalität beim Handelskonflikt zwischen den USA und China, nachdem Präsident Trump Teile der neuen Zölle um zwei Wochen aufgeschoben hat und auch China good-will Aktionen gesetzt wurden. Die von Premier Johnson verhängte Parlamentspause in Großbritannien hat begonnen und der Weg scheint für eine Neuwahl bereitet zu werden.Auf Notenbankseite wurden die Leitzinsen in der Türkei, Dänemark und im Vietnam gesenkt, während Polen, Peru und Malaysien keine Aktion setzten.

Die Aktienmärkte reagierten auf diese Gemengelage durchaus positiv während an den Anleihenmärkten die Kurse nachgaben und die deutsche zehnjährige Staatsanleihe zum Wochenschluss bei etwa -0,45% rentierte. Der Euro konnte leicht an Wert zulegen und ging bei knapp 1,11 zum USD aus der Woche.

Ein Drohnenangriff auf eine saudi-arabische Raffinerie am Wochenende, der die Weltölproduktion zumindest kurzfristig um etwa fünf Prozent absinken ließ, verteuerte den Rohstoff um zehn Prozent. Eine weitere Eskalation ist zwar nicht auszuschließen wird aber momentan nicht erwartet.