„Deal“ nach EU-Marathonsitzung, weiter hoffen auf Impfstoff (KW 30/2020)

Die Zahl der am Coronavirus infizierten Menschen steigt weiter an. Weltweit wurden schon bei mehr als 14,3 Mio. Personen eine Infektion nachgewiesen. 603.691 Menschen starben infolge einer Infektion mit dem Virus (Stand: 20.07., 10:00 CEST). Mit knapp 260.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages wurde am 18. Juli abermals ein neuer Höchstwert von der Weltgesundheitsorganisation vermeldet. Grund zur Hoffnung gibt es aber auch. So wurde eine Studie des US-Biotechnologieunternehmen Moderna veröffentlicht, diese zeigt, dass in der Entwicklung deren Impfstoffes bereits große Fortschritte gemacht wurden. Moderna startet noch diesen Monat in die Phase 3 der Testungen. Dabei wird der Impfstoff an etwa 30.000 Personen angewendet. Zwar endet die letzte Phase erst im Herbst 2022, es sollen aber schon davor aussagekräftige Ergebnisse vorliegen.

Gespannt wurde auch nach Brüssel geblickt. Dort haben sich am Freitag die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsstaaten eingetroffen, um über das Budget und vor allem über den Wiederaufbaufonds zu verhandeln. Die Gespräche gingen erst montagabends mit einem „Deal“ wie es der EU-Ratschef Charles Michel nannte, zu Ende. Besonders schwierig schien die Übereinkunft mit den „Sparsamen Vier“ (Österreich, Dänemark, Niederlande und Schweden) zu sein. Speziell ging es dabei um die Zusammensetzung des Wiederaufbaufonds. Dieser beträgt 750 Mrd. Euro. Davon waren anfangs 500 Mrd. als Zuschüsse (welche die Empfänger nicht zurückzahlen müssen) und 250 Mrd. Euro als günstige Kredite gedacht. Ginge es jedoch nach den „Sparsamen Vier“, gebe es gar keine Zuschüsse und der ganze Betrag würde als Kredit ausgezahlt werden. Schlussendlich konnte man sich auf Zuschüsse in der Höhe von 390 Mrd. Euro und Kredite von 360 Mrd. Euro einigen. Zusätzlich können sich die „Sparsamen Vier“ über einen höheren Budgetrabatt freuen. Auch in Bezug auf die Koppelung der EU-Gelder an die Rechtsstaatlichkeit gab es eine Übereinkunft. Dabei ist man vor allem den bisherigen Kritikern Polen und Ungarn entgegengekommen. Laut der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen können aber weiterhin durch qualifizierte Mehrheit Maßnahmen bei Verstößen vorgenommen werden.

Vergangene Woche tagte ebenfalls die Europäische Zentralbank. Wie erwartet blieben die Zinsen und das PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) aber unverändert. Auch die regionalen Zentralbanken der USA haben ihre Meinungen bezüglich der Wirtschaft im Beige Book (Konjunkturbericht der USA) kundgetan und zeichneten dabei kein besonders positives Bild für die nahe Zukunft. Beim Meeting der erdölexportierenden Länder (OPEC) konnte man sich auf eine Verlängerung der Drosselung der Fördermenge für August einigen. Die Situation zwischen den Großmächten China und den USA bleibt weiter angespannt. So haben letztere nun Visabeschränkungen gegen Mitarbeiter des chinesischen Telekommunikationshersteller Huawei erlassen. Auch die Nachricht, dass Großbritannien Huawei vom 5G-Netzwerk ausschließt, wurde seitens des US-Außenministers sehr begrüßt und als „vorbildlich“ kommentiert. Auch diese Woche gab es nur sehr wenig Bewegung am Markt. Die Emerging Markets Indizes performten am Rentenmarkt ein wenig schlechter. Auf der Währungsseite ist der Euro positiv hervorzuheben. Der Wechselkurs zum US-Dollar steht nun schon bei 1,14.