Schlechte Wirtschaftsprognosen für 2020, Ölmarkt stabilisiert sich ein wenig (KW 21/2020)

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind weiterhin nur schwer einzuschätzen. Die europäische Kommission hat am Anfang des Monats ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt der Euroländer veröffentlicht. Dabei wird mit einem Rückgang von 7,7% des BIPs für das Jahr 2020 gerechnet. Im darauffolgenden Jahr wird ein Anstieg des BIPs von 6,3% erwartet, was weit über dem durchschnittlichen Wachstum der vergangenen Jahre liegt. Auch der US-Notenbank Chef Jerome Powell sieht die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise mittlerweile erheblich stärker als anfangs angenommen. Er geht nun nicht mehr von einer „V-Recovery“, bei der nach einem starken Abschwung auch wieder ein starker Aufschwung erfolgt, aus, sondern sieht die USA mit enormen Abwärtsrisken konfrontiert. Die am Donnerstag veröffentlichten Arbeitslosenanträge der USA bleiben weiter hoch. Der Präsident der FED Minneapolis Neel Kashkari ließ mit seiner Aussage aufhorchen, dass die Arbeitslosenrate weitaus höher sei, als die offiziellen 14,7% widerspiegeln. Da sich viele Leute aufgrund der Ausgangsbeschränkungen nicht arbeitslos melden, gehe er von einer „echten“ Arbeitslosenrate von etwa 25% aus. Auch rund um das Urteil des deutschen Verfassungsgerichts, welches sich zum ersten Mal gegen den europäischen Gerichtshof stellte, wurde es laut. Einige Experten gehen davon aus, dass Staaten wie Polen oder Ungarn das Urteil als Vorbild nehmen und sich in Zukunft gegen das EU-Recht stellen werden. Der Karlsruher Verfassungsrichter Peter Michael Huber ließ noch einmal nachklingen, dass es vor allem darum ginge, dass die EZB ihre Aktionen rund um das Ankaufprogramm vor der Öffentlichkeit begründen und erklären soll, vor allem gegenüber den Leuten, die Nachteile von den Maßnahmen haben. In Sachen Brexit-Verhandlungen gibt es keinen erheblichen Fortschritt zu vermelden. Sowohl der britische Unterhändler David Frost als auch der Unterhändler der Europäischen Union Michel Barnier werfen der Gegenseite Unbeweglichkeit bzw. Gesprächsverweigerung vor.


Am Ölmarkt kam es ebenfalls wieder zu Bewegungen. Vor allem Saudi-Arabien hat mit den niedrigen Ölpreisen zu kämpfen. So entschied sich das Land die Fördermenge um 1 Mio. Barrel pro Tag zu kürzen. Auch werden laut einer Nachrichtenagentur Saudi-Arabiens, die sich auf Aussagen des Finanzministers beruft, die Mehrwertsteuer von 5% auf 15% erhöht und die Staatsausgaben um 26 Mrd. US-Dollar gesenkt. So soll dem Verlust durch den sinkenden Ölpreis entgegengewirkt werden. China vermeldete währenddessen, dass sich die Ölnachfrage im Land wieder fast auf Vor-Krisen-Niveau befindet. Sowohl die Förderkürzung Saudi-Arabiens als auch die höhere Nachfrage in China ließ den Ölpreis wieder ein wenig ansteigen. Derzeit kostet ein Barrel WTI-Öl 32,04 USD und ein Barrel Brent-Öl 34,52 USD. (Stand: 18.05, 13:10)


Die FED und die Bank of England lassen ihre Zinsen unverändert. Während in England schon lautstark über Negativzinsen nachgedacht wird, sieht die FED ihre aktuellen geldpolitischen Maßnahmen als wirksam an und erteilt eine mögliche Senkung der Zinsen eine klare Absage. In Mexico und Vietnam wurden die Leitzinsen jeweils um 0,5% und in Pakistan um 1% nach unten korrigiert. Am Rentenmarkt gab es wenig Bewegung. Die Euro und US-Treasuries legten ein wenig zu, während die Corporates ein wenig verloren. Bei den Emerging Markets Titel, sind vor allem Südafrika und Brasilien die Verlierer der Woche. Der Aktienmarkt präsentierte sich vergangene Woche von seiner schlechten Seite. Der S&P500 verlor 2,22%, der EuroStoxx50 3,85% und der chinesische Shenzhen300 musste 1,18% einbüßen. Am Montag stiegen die Aktienmärkte jedoch wieder deutlich an. Ein Grund dafür war unter anderem, dass das US-Biotechnologieunternehmen Moderna mitteilte, dass deren Impfstoff gegen das Coronavirus erste Erfolge erzielen konnte.  Auch die Nachricht, dass sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron für ein 500 Milliarden Euro Hilfspaket zum Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft nach der Coronakrise aussprachen, kam am Aktienmarkt gut an. Wenn man jedoch die zum größten Teil schlecht ausfallenden Ertragskorrekturen der Unternehmen betrachtet, sollte man die positive Entwicklung am Aktienmarkt noch mit Vorsicht genießen.